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Was ist Gemeinschaft?
Das Wort Gemeinschaft findet man bisher wenig in den universitären Akademien, wenn dann als juristische Kategorie oder in der Soziologie.
Die Soziologie, die Lehre vom Sozius (lat. Begleiter, Gefährte), unterscheidet gemeinhin zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft, wobei sie offenbar davon ausgeht, dass die Gesellschaft eine Art weiter oder höher entwickelte Stufe (nach) der Gemeinschaft ist. Die Soziologen betätigen sich möglicherweise deshalb in der erster Linie in der Gesellschaftsforschung.
Als Gesellschaft bezeichnet man in der Soziologie
- allgemeiner eine durch unterschiedliche Merkmale zusammengefasste und abgegrenzte Anzahl von Personen, die als soziale Akteure miteinander verknüpft leben und direkt oder indirekt interagieren;
- die Gesamtheit der Verhältnisse zwischen den Menschen (Marx);
- soziologisch nach Ferdinand Tönnies eine genau definierte Gruppierung von Personen, „Gesellschaft“ im Gegensatz zur „Gemeinschaft“;
- in der kommunikationstheoretischen Konzeption Niklas Luhmanns wird die Gesellschaft als "alle füreinander kommunikativ zugänglichen Ereignisse" beschrieben.
Unter Gemeinschaft (herrührend von dem Wort "gemein“, vgl. „gemeinsam“) versteht man die zu einer Einheit zusammengefassten Individuen (Gruppe), wenn die Gruppe emotionale Bindekräfte aufweist und ein Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Gefühl) vorhanden ist.
In vielen Menschen der heutigen versingelnden und materiell indoktrinierten Gesellschaften scheint es eine starke und zunehmende Sehnsucht nach Gemeinschaft, Gemeinschaftsgefühl und Gemeinsinn zu geben. Es liegt die Vermutung nahe, dass je mehr eine Gesellschaft sich normiert und verfestigt, desto stärker werden die Tendenzen in Richtung Gemeinschaft, back to the roots of society.
Bemerkenswert im deutschen Sprachraum sind die Ansätze der Gemeinschaftsforscher um Prof. Matthias Grundmann am Institut für Soziologie an der Uni Münster. Matthias Grundmann engagiert sich auch in der Gemeinschaftswerkstatt.