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Zusammenfassender Bericht 2009
Zusammenfassender Bericht vom
Ersten Internationalen Wirtschaftsforum der Gemeinschaften
6. - 10. Mai 2009 im Tollense Lebenspark
Bericht von Bernhard Wallner, Susanne Küppers, Suzana Breithardt
Ein vielversprechender Auftakt
- Das fünftägige Wirtschaftsforum der Gemeinschaften (WFG) war eine gelungene Premiere mit überraschend vielen Menschen in herrlich frühlingshafter Aufbruchsstimmung. Raum und Zeit für tausendfache Begegnung, Austausch und Networking bot der blühende Landschaftspark und seine Gäste-Fachwerkhäuser. In ca. hundert Workshops zu wichtigen Gemeinschafts-Themen engagierten sich ca. 300 Teilnehmer aus mehr als 60 Gemeinschaften, Organisationen und Projekte, die meisten aus Deutschland, doch auch aus Österreich, Schweiz, Spanien, Indien, Sibirien... Die Veranstaltungsorganisation um WFG-Initiator Bernhard Wallner bot einen weiten, entspannten Rahmen zum Atmen und Entfalten, agierte zurückhaltend und setzte im Open Space dennoch klare Akzente. Programm und Ziele waren neben der Begegnung die konkrete Umsetzung gemeinsamer Projekte, Koordination und langfristige Kooperation. Es war ein Hauch spürbar von dem, was sein könnte, wenn .... heute und morgen. Die Ökonomie des Gebens und Schenkens war ein voller Erfolg. Jeder gab und tat, was er konnte. Insgesamt konnten auch die mitgetragen werden, die nicht mit Geld zahlen konnten.
Der tägliche Veranstaltungsablauf war einfach
- Nach dem Frühstück fand im Festsaal des Gemeinschaftshauses eine Morgeneinstimmung für alle statt mit Organisatoria und einer Open-Space-Einführung. Anschließend gingen die Teilnehmer im Rahmen der Open-Space-Methode in die von ihnen initiierten Workshops, vor allem im und um das Gemeinschaftshaus und Schloss des Lebensparks. Manche dauerten bis zum Abend, aufgelockert von Pausen und dem Mittagessen im eigens für diese Veranstaltung aufgestellten Zirkuszelt, natürlich alles öko und bio. Die Ergebnisse und Protokolle der Workshops konnten im Dokumentationszentrum übergeben werden und standen meist noch am abend jeden Tages online auf der Homepage allen Teilnehmern, aber auch fernen Beobachtern zur Verfügung.
- Nach dem Abendessen gab's im Festsaal täglich die Abendrunde, in der alle, die Lust dazu hatten und das waren viele – ihre Erlebnisse, Erfahrungen, Ergebnisse und Erkenntnisse mitteilten. Für viele Teilnehmer wichtige Bestandteile des Tages waren auch ausgedehnte Spaziergänge im historischen Landschaftspark, Meditationen auf den Hügeln oder am See, Bootfahren, Fussballspielen (das Fussball-Länderspiel Deutschland-Russland am 8. Mai (!) endete freundschaftlich 2:2), Tanzen, Singen, Trommeln am Feuer vorm Schloss, am See oder in der Wunder-Bar.
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- Immer wieder fiel auf, dass sich vieles - ohne genaue Planvorgaben oder Druck - erstaunlich exakt und harmonisch fügte. Beispielsweise gab es bei der ersten Morgenrunde einen großen Kreis mit Stühlen, die nicht abgezählt für den Raum passend aufgestellt waren und dann zeigte sich, dass alle Teilnehmer genau bis auf den letzten Stuhl Platz fanden. An den nächsten Tagen mussten dann allerdings noch viel mehr Stühle aufgestellt werden – aber alle passten noch in den Saal.
Die richtige Veranstaltung zum richtige Zeitpunkt
- meinten viele Besucher. Wenn nicht jetzt, wann dann - wollen wir uns zusammentun und Alternativen und Komplementativen realisieren. Trotz der großen Teilnehmerzahl wurde auch deutlich, dass noch nicht so viele Praktiker aus gestandenen Gemeinschaften (Handwerker, Techniker, Gärtner, Buchhalter etc.) zu dieser relativ kurzfristig angesetzten Erstveranstaltung kommen konnten. Aber viele haben angekündigt, beim nächsten Mal auch dabei sein zu wollen. Dennoch, schon diesmal waren viele große Gemeinschaften vertreten wie Lebensgarten Steyerberg, Jahnishausen, Kommune Niederkaufungen, Ökodorf Siebenlinden, ZEGG oder aus dem Ausland Amalurra (Spanien), Auroville (Indien) oder Ökopolis Tiberkul (Russland/Sibirien).
Interessante Beiträge und Workshops
- waren bespielsweise die Berichte aus den Gemeinschaften oder aus den einzelnen Arbeitsbereichen wie „Waren-, Austausch-, Dienstleistungsbörse zwischen den Gemeinschaften“, „Innovation Umwelt in Gemeinschaften“, „Freilandkauf“, „Regionale Wirtschaft - geschlossene Stoff- und Energiekreisläufe“, „Gesundheit in Gemeinschaft“, „Älterwerden in Gemeinschaft, Altersvorsorge" oder "Gemeinschaftsfinanzierung“. Natürlich fehlten nicht aktuelle In-Themen wie „Komplementär-Währungen“, „Regiogeld“, „Solidarische Ökonomie“ oder „Bedingungsloses Grundeinkommen“. In mehreren Arbeitsgruppen machten sich die Teilnehmer Gedanken, wie es mit dem auf dem ersten WFG Erarbeiteten weitergehen könne wie z.B. „In Kontakt bleiben nach dem WFG per Internet“, „Support of the Supporters“, "Hilfe für diejenigen, die den technischen Rahmen und die Basis unserer Zusammenarbeit halten", "Sonnenblumengelbe Seiten" oder "Marktplatz Wirtschaftsforum" etc.(mehr unter: Berichte und Protokolle
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Anlass für besonders spannende Workshops boten zwei aktuelle Konflikte vor und während des Wirtschaftsforums:
- Der Zusammenschluss mehrerer Künstlergemeinschaften aus der unmittelbaren Umgebung des Tollense-Sees, die am Samstag Abend im Sportstadion des Lebensparks das große Spektakel „Das magische Horn“ programmgemäß aufführen wollten, waren nach einer monatelang schwelenden Diskussion in offenen Streit über die berühmten Gemeinschafts- und Gesellschaftsthemen 'Geldmangel, Hierarchie und Macht' geraten. Sie wandten sich deshalb während des Wirtschaftsforums an die hier geballte anwesende Konfliktlösungskompetenz mit der Bitte um Hilfe. Und es gelang tatsächlich, durch Vermittlung Einzelner und der Konzentration aller auf den Konflikt, eine Lösung in kurzer Zeit herbeizuführen – und das Spektakel konnte zur Freude der 60 Darsteller und mehrerer hundert Zuschauer stattfinden. Einer der Schauspieler meinte anschließend: „Ich glaubte bisher nicht an alternative Methoden – aber diese effektive Art der Konfliktlösung hat mich von Eurer Arbeit überzeugt."
- Ein anderer Arbeitskreis mit mehr als 35 Teilnehmern entstand aufgrund eines Angriffs auf das Wirtschaftsforum und die Lebenspark-Gemeinschaft durch einen enttäuschten Unterstützer, der wenige Tage vor dem Wirtschaftsforum gezielt lanciert worden war. Das Gespräch führte dazu, dass viele Teilnehmer erkannten, dass viele Gemeinschaften und ihre Mitglieder heutzutage mit dem ökonomischen (Über)Leben und den sich daraus ergebenden Konflikten ringen. Die oft stille Einsamkeit des Schuldners angesichts eines gnadenlosen Gläubigers, sei es eine Bank oder eine Privatperson, ist in Gemeinschaft wie auch in der Gesellschaft ein oft verschämt verschwiegenes Phänomen. Es entstand die Idee, für derartige Konfliktsituationen einzelner Gemeinschaftsmitglieder oder Gemeinschaften eine Beratungs- und Schlichtungsstelle der Gemeinschaften einzurichten. In dem konkreten Fall setzen sich Teilnehmer aus mehreren Gemeinschaften in mehreren Runden zusammen, um eine positive Lösungsfindung zu fördern und auf den destruktiven Angriff nicht mit Gegenangriff zu reagieren, sondern eine konstruktive Antwort zu finden und zu formulieren. Eine solche wurde tatsächlich gefunden und am Tag nach Abschluss des Forums an den Urheber des Angriffs verschickt.
Kritisch anzumerken ist:
Open Space ist als Konferenzmethode hervorragend geeignet, um Räume und Potentiale zu öffnen, aber die Ergebnisse sind oft nicht sehr konkret. Da bedarf es dann weiterer Nacharbeit in kleineren Kreisen. Dazu gab es schon auf dem Wirtschaftsforum Versammlungen von Gemeinschaften aus derselben Region, die sich in Kürze wieder treffen und enger zusammenarbeiten wollen.
Obwohl es gelang, viele Interessierte auf das für Besucher geöffnete Wochenende zu konzentrieren, war doch zu bemerken, dass viele Gemeinschafts-Interessierte und -Gründer ohne eigene Erfahrung das Kompetenzforum von Mittwoch bis Freitag zu benutzen versuchten, mit Erfahrenen in einer Runde zu sitzen und für ihre hoffnungsvollen, aber noch nicht existierenden Projekte Werbung zu machen und Hilfe zu akquirieren. Dafür sind jedoch andere Veranstaltungen geeigneter. Schon bei diesem ersten Wirtschaftsforum gab es einige Workshops ausschließlich mit erfahrenen Mitgliedern von Gemeinschaften und in dieser Richtung werden die WFG-Organisatoren in Zukunft stärker wirken und auf Einhaltung der Kompetenz-Kriterien achten. Zugleich wurde aber auch ein starkes Bedürfnis deutlich nach einem größeren Bereich des Wirtschaftsforums als "Marktplatz" und „Messe der Gemeinschaften“.
Der Lebenspark hat sich wieder einmal als traumhafter Veranstaltungsort erwiesen, dessen Größe und Weite Geist und Emotion Raum schenken. Er bietet nahezu beliebig vielen Menschen als Camper und Zelter Platz, doch bei den Tagungs-Räumlichkeiten und der Unterbringung kam man in der aktuellen Ausbaustufe den Kapazitätsgrenzen schon recht nahe. Aber die Veranstaltungsorganisation meisterte die Enge ebenso souverän wie die Gäste geduldig zusammenrückten mit dem Ergebnis, dass letzten Endes jede/r ein gutes Plätzchen fand, auch wenn mancher seine Wohnwünsche etwas reduzieren musste. Sollte sich diese Veranstaltung so entwickeln, wie der Auftakt hoffen lässt, wird sich das Gäste- und Veranstaltungszentrum des Parks noch einiges bis zu den nächsten Veranstaltungen einfallen lassen müssen, um dem Ansturm gewachsen zu sein. Dabei könnten Veranstaltungen zu einzelnen Themenbereichen auch in anderen Gemeinschaften dem Bedürfnis nach Entlastung, aber auch nach Regionalisierung und Dezentralisierung Rechnung tragen.
Wie wird es weiter gehen
- Einig waren sich viele Teilnehmer, dass sie das Treffen im Tollense Lebenspark sehr genossen haben. Besonders lobten sie das köstliche Essen, die vielen aufmerksamen und engagierten Teilnehmer, die herzliche Betreuung durch die Bewohner des Lebensparks und ihrer vielen Helfer, die Schönheit der idyllischen hügeligen Parklandschaft und die Großzügigkeit der Veranstaltung und Organisation. Dankesworte wie „traumhaft“ oder „vorbildlich“ fielen zum Abschied. Weitere Einzelheiten, Berichte, Protokolle und Kommentare zum Wirtschaftsforum der Gemeinschaften gibt es unter Übersicht & Kommentare
Das Wirtschaftsforum ist ein Prozess mit zahlreichen unterschiedlichen Entwicklungspotentialen, in dem es Veranstaltungen, Koordination und Netzwerkbildung geben muss. Der Schwerpunkt liegt jedoch in der täglichen Arbeit und Kooperation von GemeinschaftsmitgliedernI
In einem Jahr soll das nächste zentrale Wirtschaftsforum im Lebenspark stattfinden. Angesichts des großen Interesses von immer mehr Menschen an Gemeinschaft und auch wegen der weltwirtschaftlichen Entwicklungen plädieren einige dafür, nicht lange zu warten... Der Trend scheint dahin zu gehen, dass es verschiedene Foren zu verschiedenen Themen, evtl. auch an verschiedenen Orten sowie eine zentrale Hauptveranstaltung geben wird, die wieder über mehrere Tage geht, jedoch mit Themenschwerpunkten, bspw. einen Energietag, einen Finanzierungstag, einen Vernetzungstag oder einen Markttag der Gemeinschaften etc. Die Entscheidungen werden bald fallen und deshalb wollen sich die Organisatoren in Kürze an die Teilnehmer und Interessierten mit der Bitte um Stellungnahmen zu weiteren Entwicklungen im und um das Wirtschafsforum wenden.
Jedenfalls wird es schon in wenigen Wochen, am 4. Juni 09, ein Regionales Treffen der Gemeinschaften in Mecklenburg-Vorpommern im Tollense Lebenspark geben, ebenso ein anderes bald in Berlin, im Sommer (1.- 6. August 09) das Sommerfest der Gemeinschaften und im November 2009 die Gemeinschaftswerkstatt, wo vor allem politische und wissenschaftliche Themen im Zusammenhang mit Gemeinschaft und ihr Verhältnis zur Gesellschaft behandelt werden.