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Die Magie des Geldes
Die Magie des Geldes
8.05.09
Knete selbstgemacht
„Wenn die Leute verstünden, wie unser Bankensystem funktioniert, hätten wir die Revolution noch vor morgen früh.“
Henry Ford
Wer macht welches Geld wie und wofür? Diese Frage stellt nach wie vor so gut wie niemand. Die meisten Menschen glauben, dass der Staat „irgendwie“ das Geld macht und dass man nur durch Arbeiten zu Geld kommt und es dann auf der Bank einzahlt, die es „speichert“ wie Dagobert Duck und dann als Kredit weiterreicht und dass Geld „irgendwie“ noch durch Gold „gedeckt ist...
Natürlich tun Banken so, als würden sie das eingezahlte Geld speichern, sie tun so, als sei es knapp und simulieren Geldknappheit, indem sie für Kredite Zinsen und Tilgung kassieren... Doch wer weiß schon, dass Banken keineswegs nur das Geld weiterreichen, das sie vom Sparer oder vom Staat „irgendwie“ bekommen, sondern dass alles Geld von Banken durch Kreditvergabe aus dem Nichts erschaffen und durch Tilgung wieder vernichtet wird? Dass es ohne Kredite kein Geld gäbe? Dass die Kreditnehmer das Geld in die Welt bringen und die Arbeitenden dem Geld überhaupt erst einen Wert verleihen, aber auch noch Steuern, Zinsen, Abgaben und Tilgung bezahlen müssen, wodurch sie die Liquidität vernichten, die sie zur Tilgung der Schulden so dringend brauchen?
Wer weiß schon, dass die Banken keineswegs darauf angewiesen sind, real Arbeitenden und Produzierenden Kredite zu geben, um „Geld zu machen“, sondern sich auch untereinander Kredite geben, nach belieben mit Geld aus dem Nichts Werte (Aktien, Häuser, Grundstücke, Edelmetalle, Rohstoffe etc.) aufkaufen können und nach Belieben bei der Zentralbank Bargeld abrufen können? (Siehe Dokumente „Geld und Geldpolitik“ der Deutschen Bundesbank und „Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet“ der EZB.)
Die Geschäftsbanken haben v.a. in den USA massenhaft Immobilienkredite an finanzschwache Menschen vergeben, die ihre Raten nicht bedienen konnten. Nun können die Geschäftsbanken diese faulen Kreditforderungen bei den Zentralbanken wieder in „richtiges“ Geld tauschen und drehen gleichzeitig der Realwirtschaft den Kredithahn zu – mit der Begründung, dass die Wirtschaft schlecht laufe und es riskant sei, Kredite zu vergeben, was auch gesunde Unternehmen massenhaft in die Pleite treibt, weil die Banken weiter auf Tilgung und somit Vernichtung der von der Wirtschaft zur Kredittilgung und Zinszahlung benötigten Liquidität bestehen. Gleichzeitig kaufen die Geschäftsbanken massenhaft mit Geld aus dem Nichts Rohstoffe, Terminkontrakte, Rohstoffaktien auf und treiben so die Rohstoffpreise nach oben. Die Förderunternehmen drosseln die Produktion, schonen so ihre Reserven, sparen Produktionskosten und verdienen sich durch Spekulation auf steigende Rohstoffpreise eine goldene Nase. Das ist die Umkehrung der „Unsichtbaren Hand“.
Das Resultat wird der Zusammenbruch der Realwirtschaft sein, Massenpleiten, Massenarbeitslosigkeit, Massenarmut, extreme Staatsdefizite (die Staatseinnahmen brechen weg, die Ausgaben explodieren) und Hyperinflation durch astronomische Rohstoff- und Energiepreise, exzessive Staatsverschuldung und ausufernde Geldschöpfung der Geschäftsbanken ohne Schaffung von Realwerten.
Extreme Energie- und Transportkosten werden die Re-Regionalisierung und Ümrüstung der Wirtschaft auf erneuerbare Energien zur Folge haben, explodierende Rohstoffpreise werden Recycling und Einsparung von Ressourcen wieder rentabel machen, der Zusammenbruch der Industrieproduktion (energieintensive Maschinenleistung wird rapide teurer werden) wird menschliche Arbeit und traditionelle Techniken wieder konkurrenzfähig machen. So wird die Selbstzerstörung des Industriekapitalismus die „ökosoziale“ Kulturwende beschleunigen.
Es ist sinnvoll, schon jetzt in Realwerte zu investieren: In traditionelle, von fossiler Energie unabhängige Techniken, Saatgut, fruchtbaren Boden, unabhängige Wasser- und Energieversorgung, gemeinschaftliche Lebensformen und, sofern Geld zur Anlage frei ist, kann dieses durch Anlage in Rohstoffe und Förderunternehmen rasch vermehrt werden, was durchaus auch ethisch vertretbar ist, denn diese Firmen werden ihre Ressourcen zunehmend in der Erde belassen, so die Preise immer weiter treiben und sich an den Finanzmärkten durch Spekulation auf steigende Preise bereichern (siehe oben).
Da der Euro inflationieren wird, wird auch die Schaffung von an Realwerte gebundenen Regionalwährungen notwendig sein, die inflationsresistent sind. Viele Menschen werden verzweifelt Anlagemöglichkeiten für ihre immer rascher immer wertloseren Euros suchen. Die Geldknappheit, unter der viele nachhaltige und gemeinschaftliche Projekte noch leiden, dürfte also demnächst ein Ende haben.
Eberhard Hierse, 9. 5. 2009
Kontakt: e.hierse[at]gmx[dot]de