Wirtschaftsforum der Gemeinschaften
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Protokoll Panel Grundeinkommen

Samstag Vormittag

Struktur:

-        Friedrich Impuls: „Grundeinkommen, meine Freiheit?“

-        Vorstellung Modell Tollense (Christoph)

-        Vorstellung Modell ANAVAN (Gottfried)

-        Vorstellung "Münchener Modell" (Johannes Ponader)

 

Impuls „Grundeinkommen, meine Freiheit“ (Unvollständig)

Grundeinkommen schafft Freiheit...

...für jeden weltweit

...Freiheit als Begriff ist mir zu abstrakt

...für Möglichkeiten

...für etwas, nicht von etwas

...von Existenzängsten

...für meine Herzensangelegenheiten

...für Familien, Repro

...mir selbst zu folgen, mir treu zu bleiben

...so da zu sein, wie ich wirklich bin

...Aber da gibt es noch andere Stellen, wo noch Freiheit entstehen muss

...für Verantwortung

...zur Selbstentwicklung

 

Vorstellung Modell BGE Tollense Lebenspark

Einleitung:

Grundsicherung war von Anfang an Thema in Tollense.

Aktuelles Konzept für Grundsicherung basiert darauf, dass Menschen hier etwas zusammen anpacken wollen, Konflikte lösen, etc.

BGE erscheint als gutes Konzept als Grundlage für Lösungsansatz für Tollense. Wollten gerne „Versuchsgruppe“ für Experiment der Breuninger Stiftung sein, aber Stiftung konnte die Gelder nicht vollständig auftreiben. Statt 5 Millionen wurden 500.000 Euro gesammelt. Aber es ist kein wirkliches Grundeinkommensprojekt mehr. Projekt unterstützt Menschen bei der Suche nach andern Lebens-/Arbeitsperspektiven, ist aber kein Grundeinkommensprojekt mehr.

Tollense haben für sich gerechnet, dass sie 2,2 Mio für den Versuch brauchen. Konnten selbst 100.000 anziehen. Wollten auch ohne dieses Geld schon mal beginnen BGE zu leben bis staatliches (irgendwann) eingeführt wird.

Tollense:

Gemeinschaft bildet die Basis des BGE Tollense, im Gegensatz zum staatlichen BGE.

In Tollense leben 30 Erwachsene Personen. Nach dem Start wurden intern Betriebe gegründet (Tagungshaus, Küche, Garten, LaWi, Baustoffhandel, Vermietung, etc...) und Menschen die Außerhalb arbeiten. Manche Menschen haben kein Einkommen.

Interne und externe Einnahmen ergeben das gesamte Einkommen. Insgesamt reicht es noch nicht.

Inspiriert von Artabana Schweiz entstand gemeinsame Teilökonomie.

Alle Personen geben 50% ihres Einkommens in einen Grundeinkommensfond. Alle Personen beziehen Anteilig Geld aus diesem Grundeinkommenstopf, unabhängig davon, wie viel sie eingezahlt haben (also auch Personen, die kein Einkommen haben, erhalten einen Anteil).

In Tollense fiel Entscheidung gegen komplette Gemeinsame Ökonomie. Zu hohe Unterschiede im individuellen Einkommen und Verantwortungsübernahme bringen bei Gemeinsamer Ökonomie Konflikt- und Auseinandersetzungspotential. Teilökonomie/Grundeinkommen birgt mehr Raum für Individualität.

Bisheriges Modell bringt mit den errechneten Grundeinkommen ca. 416 Euro pro Person. Zielsetzung: Grundeinkommen auf 800 Euro erhöhen.

Deshalb startet in Tollense ein Pilotprojekt. Suchen zu den 30 Tollensern noch weitere 30 Personen. Die Voraussetzung für die Teilnahme ist der Zuzug nach Tollense.

 


 

 

Kritische Frage: mit mehr Leuten steigt ja nicht automatisch das Grundeinkommen. Nur möglich, wenn diese Menschen ein höheres Einkommen mitbringen, Reales Wirtschaften in Tollense erhöhen durch größeres Arbeitspotential und Einwerben von Drittmitteln. (dm-Stiftung, Breuninger Stiftung..., eben solche, die bereits mit dem BGE liebäugeln). Diese sollen aber nicht für's BGE an sich ausgegeben werden, sondern für die wissenschaftliche Begleitung, Seminare, Coaching.

Pilotprojekt braucht politische, wissenschaftliche...Begleitung.

Schwierig, wenn zu viele Menschen ohne Einkommen kommen. War auch Argument gegen Gemeinsame Ökonomie, wenn sich lauter „Habenichtse“ zusammentun gibt’s auch nichts zu teilen.

Gegenargument: Mit einer gemeinsame Ökonomie gäbe es in Tollense auch nicht weniger Geld, es wäre nur gleichmäßiger verteilt.

Nächster Schritt: Gründung Genossenschaft für den Erwerb des Geländes. Alle Tollenser sind GenossenschafterInnen. Annahme: JedeR ist in der Lage 200 Euro monatlich in die Genossenschaft zu legen als subsistenzorientierte Geldanlage (wenn das Grundeinkommen von 800 Euro verwirklicht ist). Während die 200 Euro auf's für den Erwerb des Grundstückes ausgegeben werden, werden an die EinbezahlerInnen 200 Recom ausgeschüttet.

Recom ist die neue Komplementärwährung. Sie fließt in die Region zurück, denn nur dort wird sie angenommen. Dieser Teil (Geschäfte, Dienstleistungen etc. die den Recom annehmen) muss noch entwickelt werden.

Anteile am Tollense Lebenspark bleiben Privateigentum der GenossInnen. Das bedeutet, wenn eine Person einen Genossenschaftsanteil von 200 Euro erwirbt, bekommt sie diesen plus 200 Recom. In diesem Moment verdoppelt sich der „Wert“.

Aber der Recom verliert kontinuierlich an wert, wenn er nicht ausgegeben wird. Jährlich 20%, nach 5 Jahren hat er sich komplett aufgelöst.

 

 Vorstellung Modell BGE ANAVAN

 Einleitung

Anavan ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und Gruppen, die an der Entwicklung von unterschiedlichen ökonomischen Alternativen arbeiten. Ein Merkmal ist, dass die Menschen, welche unterschiedliche Ökonomieformen ausprobieren, nicht zusammen/am selben Ort leben müssen. (www.anavan.wordpress.com)

Ein Fokus ist das bedingungslose Grundeinkommen-Experiment.

Modell

Gottfried hat ein ähnliches Modell wie in Tollense entwickelt. Es geht auch darum, dass Menschen einen Prozentsatz ihres Einkommens in eine gemeinsame Grundeinkommenskasse zu legen, um es dann anteilig an alle Beteiligten auszuschütten. Er geht von einem Grundeinkommen von 1000 Euro pro Person aus (Süddeutschland).

In diesem Fall fängt eine Umverteilung von „Unten“ nach „Oben“ erst am einem Einkommen von 2000 Euro an. Er geht davon aus, dass das Geld in diesem Topf aus der Gruppe heraus nicht ausreichen wird.

Seine Herangehensweise ist offensiv für Umverteilung zu werben. Grundeinkommen ist keine Lösung, sondern ein Beginn der Umverteilung.

 

Fehlendes Geld in der Grundeinkommenskasse

-        Leute suchen, die am Experiment teilnehmen, die über 2000 Euro Einkommen haben und bereits bestehende Gruppe vergrößern. Das ist sehr wichtig, weil wenn Leute mit bedingungslosem Grundeinkommen ihre Arbeitssituation verändern wollen und dann vielleicht weniger einbringen, braucht es einen finanziellen Puffer. Sonst bleibt das BGE nicht bedingungslos. Diese Variante findet Gottfried aber etwas langweilig, weil es in diesem Fall wenig Auseinandersetzung mit außen stattfindet und die Gruppe vorwiegend im Privaten agiert.

Deshalb:

-        ist es auch gut, in Außeinandersetzung mit anderen Menschen zu gehen und diese aktiv dazu aufzufordern umzuverteilen.

-        Es können Menschen gefunden werden, die BGE an sich toll finden und bereit sind, einmalig oder dauerhaft das Experiment dauerhaft finanziell zu unterstützen, ohne Teil der Experimentsgruppe zu werden.

-        Er selbst möchte, wenn er BGE bezieht, nicht-kommerziellen Geigenbau anzubieten. Die „Kunden“ werden über das Projekt aufgeklärt und können selbst entscheiden, ob sie zum Projekt beitragen möchten. Seine Hoffnung ist, dass sich das Tauschverhalten der Mitglieder des BGE so verändert, dass diese von sich aus Dienstleistungen nicht-kommerziell beitragen und dadurch zunehmend mit Menschen in Kontakt kommen und diese für die Idee begeistern, Reflexion anstoßen. Diese Entwicklung ist aber keine Bedingung für die Teilnahme an der Gruppe. Das „Außen“ hätte auch selbstbestimmt die Möglichkeit mit Geld zum BGE-Topf beizutragen oder auch materiell („ich habe einen Laptop übrig, braucht den jemand von euch?“) und somit den Geldbedarf für die BGE-Gruppe zu verringern, oder eben auch gar nicht. Herauszufinden, wie sich Tauschverhalten innerhalb der Gruppe und bei den Kontaktpersonen verändert, ist mit Ziel des Experiments.

→ BGE Weg hin zu Commons-based-Peerproduction, nicht-kommerzielle Ökonomie, Gemeinwohlökonomie...

 

Kommentare:

-        BGE kann Anknüpfungspunkt für andere Kommunikationsformen, Interessen und Tauschformen sein.

-        BGE verändert Denken von Menschen. Innere Auseinandersetzung mit dem Nehmen von Geld, das von jemand anders „verdient“ wurde oder andersrum.

-        Bestätigung: Projekt „Einkommensgemeinschaft“ (inspiriert von „Commende“ nach Alfred von Euw) in München ist vor Jahren genau daran gescheitert, dass Menschen dieses Geschenk BGE nicht annehmen konnten. Supervision ist nötig. BGE kann nur lernen sein.

-        Grundeinkommen geht unabhängig von der Größe der Gruppe. Der Glaube es fehlt noch an Personen, Stiftungsgelder etc. sind meist nur vorgeschobene Argumente um nicht anfangen zu müssen. Im Prinzip kann ich in jeder Gruppe umverteilen und ich kann auch mit mir selbst ins Gespräch gehen, wie würde ich entscheiden, wenn ich jetzt Grundeinkommen hätte und dann demnach handeln.

-        Gegenargument: wenn wir nur lauter Niedrigverdiener sind, dann können wir nur unsere Armut umverteilen.

-        Nur mit moralischem Apell geht’s aber nicht. Warum sollten Leute den abgeben?

-        Gegenargument: lass es uns versuchen, weil Kritik ist zwar ok, aber dieses ständige negativieren von Ideen und Modellen ist kein lebensbejahender Umgang.

 

Vorstellung "Münchener Modell", Protokoll von Siggi

http://www.muenchener-modell.de

Einleitung

Sucht ganzheitliches Konzept. Ohne Enge (es reicht nicht, wenn wir unser weniges zusammenlegen, wir brauchen eine Stiftung).

Sucht Alternativen zu Zins. Was wir an Erwerbseinkommen haben sind 1,8 Milliarden, an Zinseinkommen 600 Milliarden.

Bei einem gesetzlichen Grundeinkommen im Zinssystem bräuchten wir eine Konsumsteuer von 60% (?) nur um das Grundeinkommen zu bezahlen.

Ohne Zinsen wäre es viel leichter möglich. Dann bräuchte es auch keinen Rückfluß von kapital aus Stiftungen und Großkopferden, um solche Projekte starten zu können. (Buch: Ludwig Gartz „Fließendes Geld“, beschreibt negative Auswirkungen des Zinses auf unser Fühlen und Denken.)

 

Modell:

Fließendes Geld: Auf liquides Geld wird eine Steuer erhoben. Entspricht der Umlaufsicherung bei den Regionalwährungen. Hauptmotivator Geld aufs Konto zu legen ist heute der Zins. Mit Fließendem Geld verliere ich aber 12% wenn ichs nicht nutze. Aber wenn ichs auf's Konto lege, dann übernimmt ja jemand anders für mich die Liquiditätsgebühr. (?)

Modell kann komplementär zum heutigen System funktionieren.

Im Münchner Modell, wird das, was auf den Konten als Liquiditätsgebühr entnommen wird, wird wieder an die Konten aller Personen zurückgegeben, auch abhängig vom Bestand, aber wer am wenigsten hat, bekommt mehr.

Ist eine Kombination aus Abgeben und Annehmen.

 

Anwendung dieses Grundprinzips:

Euro plus ist eine Erweiterung des Euros um eine weitere Regel. Möchte Vertrauen, das in Euro besteht nutzen und noch eine weiter Regel dazugeben und nicht eine neue Regionalwährung erfinden, in das das Vertrauen vielleicht fehlt.

Wenn ich mit Personen handle und Euro bezahle, vereinbaren beide, dass es sich um europlus handelt und die neue Regel gilt, dass das Geld abnimmt. Geht natürlich nur elektronisch.

Wenn A mit Euro bezahlt an B, wird bei A Euro abgebucht und bei B Europlus aufs Konto gebucht. Für sein EuroplusKonto gilt die Regel, dass es verfällt. Ist die einzige Möglichkeit, dass es nicht mehr zurückgetauscht werden kann.

Je mehr Europlus getauscht wird, desto mehr ist er in der Welt und desto mehr Geld für Grundeinkommen entsteht. Zinsen sind weg.

Was aber mit den noch existierenden Euros machen?

Wir nehmen es und kaufen damit Land, Allmende, und entziehen es damit dem Pacht- und Zinssystem. Wer es pachtet, zahlt Pacht in den Grundeinkommenstopf. Je mehr Platz ich verbrauche desto mehr verteile ich an die Gemeinschaft um. Wenn ich wenig Platz verbrauche, dann erhalte ich  mehr aus der Umverteilung zurück.

Fragen:

-        Wie geht das mit Bargeld? Ist schwieriger, dann müssen wir wieder Marken kleben.

-        Geht September an den Start, muss noch geklärt werden (Bankengesetze, etc.)

-        Kann man nicht unterschieden zwischen Euro und Euro plus? Doch natürlich. Innerhalb der bestehenden Bankengesetze, muss verhandelt werden, wie Geld nicht mehr rückverwandelt werden kann (nicht nur wie bei Regionalwährungen, mit einer Strafgebühr) in Euro. Europlus kann nie mehr in Euro rückverwandelt werden, das ist im Moment nach Bankenrecht nicht möglich.

- Wirtschaftskreisläufe müssen geschlossen werden:

- Als Geschäftsmensch nehme ich erst mal 5 % € plus und 95% € , wenn ich sehe dass das neue System funktioniert nehme ich prozentual immer mehr € plus und irgendwann habe ich nur noch € plus.

- Bank bucht vom € Konto auf € plus Konto bis der Prozess vom € Konto aus aufgebraucht ist und nur noch € plus ist.

- € plus unterliegt nicht dem Bankengesetz